Der Photon 10", von Michael Feiler, Hochheim am Main

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Datum: Samstag, den 22.02.2003

Uhrzeit: 20.30 Uhr bis 22.30 Uhr.

Ort: Auf dem Sandplacken im Taunus bei Frankfurt am Main

Beobachter: Michael Feiler aus Hochheim und Ullrich Weidert aus Frankfurt

Das hochwertige Dobson lange Lieferzeiten haben, hat sich mittlerweile herumgesprochen. Aber das ich nach über 2 Jahren Lieferzeit bei einem Händler immer noch nicht mein Dobson in den Händen halten würde, hätte ich mir zum damaligen Bestellungszeitpunkt nicht träumen lassen. Nach 25 Monaten Wartezeit stornierte ich schließlich den Auftrag.

Zum Glück habe ich dann die Webseite von AOM Telescopes gefunden. AOM baut nicht nur hochwertige Dobsons, sondern kann sie auch innerhalb kurzer Zeit liefern. Und so kam ich dann in Kontakt mit Herrn Meier von AOM Telescopes. Er hat mir versprochen in nur 12 Wochen ein 16 Zoll Gitterrohrdobson zu bauen. Damit ich aber schon vorab den Sternenhimmel beobachten kann, hat mir Herr Meier freundlicherweise sein 10 Zoll AOM-Dobson zur Verfügung gestellt. Die Wartezeit für den 16 Zöller sollte damit etwas erträglicher werden.

An einem Freitagabend im Februar 2003 kam er dann gut verpackt hier an. Ich hatte Glück denn ausgerechnet zu dieser Zeit bescherte uns das Hochdruckgebiet "Helga" den sonnigsten Februar seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.

Der Himmel war über 14 Tage lang tiefblau transparent und kein einziges Wölkchen versperrte die Sicht zu den Sternen. Die beste Gelegenheit also den 10 Zoll AOM-Dobson am Sternenhimmel zu testen.

Als ich ihn auspackte fiel mir gleich die gute Verarbeitung auf. Der Aluminiumtubus ist weiß lackiert und sieht robust aus. Die Rockerbox besteht aus Birken-Multiplex-Holz und ist sauber verarbeitet. Der Spiegel lässt sich werkzeuglos justieren und die Füße von der Rockerbox sind in der Höhe verstellbar. Auch der Name passt sehr gut zu dem Dobson. "Photon 10" ist auf dem Tubus zu lesen. Der Dobson sieht so edel aus, dass man ihn auch bequem im Wohnzimmer neben den Möbeln stehen lassen könnte.

Am darauf folgenden Wochenende beschloss ich mit meinem Schwiegervater „Ulli“ beobachten zu gehen. Er hatte noch nie den Saturnring live durch ein Fernrohr gesehen. Denn entweder hatte ich kein Teleskop zur Verfügung oder das Wetter auf dem ITV war schlecht. Aber jetzt sollte alles anders werden, denn ich hatte ja die 10 Zoll Lichtkanone von Herrn Meier.

An dem Abend des 22. Februar packte ich den Dobson in den Golf und fuhr mit Ulli in den dunklen Taunus. Da der Dobson stabil gebaut ist, muss man ihn beim Einpacken ins Auto nicht wie ein rohes Ei behandeln. Der Tubus, die Rockerbox und das Zubehör, alles passte noch bequem in den kleinen Golf.

Gegen 20.30 Uhr waren wir dann auf dem Sandplacken im Taunus angekommen. Es war eine Mondlose Nacht und der Himmel war sehr klar und windstill. Der AOM-Dobson war schnell und einfach aufgebaut. Wir mussten nur die Rockerbox auf die Basis setzen, die Blechunterlegscheibe und die Teflonscheibe über die Gewindestange stülpen und eine Sterngriffschraube drauf drehen. Mit dieser Schraube konnte die Leichtgängigkeit im Azimut reguliert werden.

Dann wurde der Tubus mit den Höhenrädern auf die Rockerbox gesetzt. Mit den Knebelschrauben an den Höhenrädern, haben wir den Tubus gut ausbalanciert.

Schließlich versuchten wir uns am Himmel mit der drehbaren Sternkarte zu orientieren. Direkt vor uns im Süden hing der Himmelsjäger Orion mit seinem Schwertgehänge. Über dem Orion stand der Planet Saturn in den Zwillingen und weiter östlich Jupiter im Krebs.

Zuerst justierten wir mit dem hellen Stern Sirius den Telrad, um dann den Orionnebel anzupeilen. Wir schoben das wuchtige 31mm Nagler Okular in den Grayford-Okularauszug. Alles war perfekt ausbalanciert und das schwere Okular hatte den Dobson nicht abkippen lassen.

Nun kam endlich der First Light. Wow... Der Orionnebel war wunderschön im Okular anzuschauen und zeigte viele Strukturen. Die Nebelfetzen sahen fantastisch aus. Der Oldhamspiegel zeigte uns einen hellen und kontrastreichen Nebel.

Nun vergrößerten wir immer weiter, zuerst mit dem 17mm Nagler, dann mit dem 12mm Nagler. Auch mit dem 7mm Nagler und hoher Vergrößerung war der Dobson absolut weich und ruckelfrei nachführbar. Die großen Höhenräder, ließen den Tubus sanft auf der Rockerbox gleiten. Ganz praktisch ist auch die seitlich angebrachte Okularablagekiste in der man die anderen Okulare aufbewahren kann.

Nun wollten wir aber die Planeten beobachten. Der Traum von Ulli, den Saturnring zu sehen, wurde endlich war. Wir peilten mit dem Telrad den Planeten an und schauten durch das Nagler Okular. Wahnsinn, der Saturnring war klar und deutlich zu erkennen.

Wir sahen die Cassini-Teilung der Saturnringe und vier Saturnmonde. Die Monde sahen aus als wären sie mit Nadeln ausgestanzt. Obwohl ich den Saturn schon oft gesehen habe, haut mich der Anblick immer wieder um. Der Saturn sieht absolut edel aus.

Nun schwenkten wir rüber zu Jupiter. Mein Gott, der war ja noch viel größer und heller. Auf der Oberfläche waren Wolkenbänder zu sehen. Auch die Jupitermonde waren als scharfe Lichtpunkte zu erkennen. Ein kurzer Blick im Himmelsjahrbuch bestätigte uns die Stellung der Jupitermonde. So kontrastreich und scharf habe selbst ich noch nicht die Planeten gesehen und ich habe auf dem internationalen Teleskoptreffen im Vogelsberg schon durch einige Teleskope durchgeschaut. Liegt das vielleicht auch an der sehr guten Innenschwärzung des Tubus? Der ganze Tubus wurde innen mit einer aufwendigen Grobbeschichtung behandelt, die das Streulicht schlucken soll.

Auf dem Sandplacken waren noch andere Sternfreunde verteilt und plötzlich kamen drei warm eingepackte Astro-Freaks zu uns rüber. Da sie viel im Internet aktiv sind, erkannten sie gleich, dass es sich um ein AOM-Dobson handelt. Einer holte dann sein 4,6mm Nagler um die Optik zu testen. Man bescheinigte mir schließlich, dass die Optik gut sei und einen schönen Kontrast zeigt.

Langsam wurde uns trotz warmen Tee immer kälter. Wir schauten noch kurz mit dem 31er Nagler Okular auf den Offen Sternhaufen h+Chi im Perseus und packten dann alles zusammen. Der Abbau ging ebenso kinderleicht wie der Aufbau. Wir mussten nur eine Schraube lösen um die Rockerbox von der Basis zu trennen. Mit den zwei praktischen Griffen am Tubus war das Dobson auch schnell wieder in dem kleinen Golf verstaut.

Schließlich fuhren wir nach Hause. Daheim angekommen, diskutierten wir noch lange über die visuellen Eindrücke und Erlebnisse. Wir ließen uns den gesehenen Himmel und die Monde der Planeten von einem Astronomieprogramm anhand des Standortes und der Uhrzeit berechnen. Wir verglichen die Eindrücke mit der PC-Simulation und schmökerten in mehreren Astrobüchern.

Ulli fand die Exkursion in unser Planetensystem sehr beeindruckend und fügte hinzu, dass er jetzt auch die anderen Planeten sehen möchte. Besonders der Mars, welcher dieses Jahr der Erde so nah kommt, wie seit über 2000 Jahren nicht mehr.

Es ist schön einem anderen Menschen die Augen zu öffnen, für die Faszination unseres unendlichen Universums.


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