Der Photon 12" f/5,3, von Philip Noack, Frankfurt

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Auf dem BTM 2002 hat es mich erwischt als ich den AOM Dobson sah! Habe einen selten so schönen Dobson zu Gesicht bekommen. Ein abendlicher Test "gegen" mein 12" Newton war vorprogrammiert ... visuell hat er meinen alten mal locker in die Tasche gesteckt, jedoch sollte man die beiden auch nicht visuell gegeneinander antreten lassen, da beide unterschiedliche Vor - und Nachteile haben. Mein alter 12“er ist halt ultraleicht und kann auf einer EQ6 einen sagenhaften Beobachtungsspaß hervorrufen. Er hat einen wesentlich größeren Fangspiegel (proportional Stichwort: Obstruktion) und ist mit f4 eindeutig für fotografische Zwecke auf der kleinen Insel geschaffen worden.

Doch seitdem ich mit 12" beobachten kann, denke ich weniger ans knipsen, da wir hier eh` nicht viele gute Nächte haben - und die möchte ich dann auch nicht an der Knipse hängend verbringen, sondern visuell nutzen, daher musste ein sehr guter Dobson her.

Der AOM Dobson ist enorm gut verarbeitet und optisch einfach wunderschön anzusehen! Der Spiegel ist ebenfalls aus Borosilikat und ist im Gegensatz zu den Discovery 12,5"ern keine 5cm dick, sondern nur 2,5cm!

Der Dobson läuft spielend - ja - butterweich. Am BTM staunten so manche über die feinfühlig gehenden Bewegungen. Mit dem kleinen Finger ist es ein locker möglich den Tubus den Objekten folgen zu lassen, ohne dass der Dob jedoch aus den Rudern kommt. Ein Dobson sollte dem Beobachter genau dieses ermöglichen,- kein schwerfälliges hin und her, genau das erwarte ich und genau so habe ich ihn bekommen. Die Hauptspiegelfassung ist 9 Punkt (bei den neueren 18 Punkt) gelagert und sieht sehr stabil aus, - die Konterschrauben sind eigentlich - im positiven Sinne - überflüssig. Die Innenauskleidung des Aluminium Tubus (2mm) ist pechschwarz und erspart einem das lästige Auskleiden mit schwarzer PVC Folie! Zur Innenauskleidung ist noch folgendes anzumerken: Sie ist sehr schroff, das heißt nicht eben. Der angenehme Nebeneffekt des ganzen ist ein fast komplettes “Schlucken“ des Streulichtes. Als sehr praktisch zu erwähnen sind die exakt auf 1 1/4" und 2" gesägten Löcher für die Aufnahme von 8 Okularen. Es macht regelrecht "plopp", wenn man die Okulare wieder rauszieht um sie am Objekt der Begierde einzusetzen.

Die Fangspinne sitzt dank ihrer Bauart absolut Stabil und wackelfrei am Tubus fest. Die Fangspinnenarme konnte ich wegen mit meinem Lineal nur grob nachmessen, aber ich bin mir sicher, sagen zu können, dass diese ca.1mm messen.

Die Lagerung des Fangspiegels ist eine ebenfalls sehr feine Sache, da dieser von 3 Schrauben, welche mit Federn versehen sind (Nein,- keine Vogelfedern), in die richtige Position gebracht und gehalten werden und zusätzlich mir 3 Konterschrauben zum Feststellen und „Feinjustieren“ versehen ist. Selbst nach mehrmaligem Spechteln, musste ich den Fangspiegel nur ein oder zwei mal mittels eines Lasers wieder zur Hauptspiegelmitte richten, da sich der Fangspiegel um 2.5mm vom Idealpunkt entfernt hatte.

Der Crayford - Okularauszug ist sehr gut, absolut feinfühlig laufend, ruckelfrei, Durch eine speziell auf 12“ Tubuskrümmung abgestimmte Basis, liegt der Auszug absolut plan am Tubus an. Meines Wissens nach ist der Okularauszug von Astrotech, die auch Gerd Neumann in seinem Verkauf hat.

Der Tubus besteht aus 2mm dickem Alu und ist absolut stabil. Im Gegensatz zu vielen anderen „Volltuben“-Dobsons kommt dieser mir aber einfach fester und griffiger vor.

Die beiden “Laufräder“ die den Tubus mit der äußerst stabilen Rockerbox verbinden haben eine Vorrichtung, die es ermöglicht, das Gleichgewicht des Tubus von hinten nach vorne und umgekehrt in die gewünschte Lage zu manövrieren. Somit ist ein Wegkippen beim Beobachten nicht möglich, wenn man schwere Okulare benutzt. Freunde von Nagler Okularen oder sonstigen Schwergewichten brauchen sich beim Kauf dieses Dobsons also keine Gedanken machen.

Von einem Newton mit f5,3 erhoffe ich mir schon knackscharfe Bilder an Planeten,- Voraussetzung ist hierbei eine perfekte Justage. Das Wetter spielte ausnahmsweise auch mal mit und gab mir eine windarme, jedoch leicht feuchte und leicht diesige Nacht: Perfektes Planetenwetter

Saturn wurde mit 65fach ins Bild geholt, - im Weitwinkelokular schwebte er in mitten des Raumes. Klar ist auch, dass bei besagten f5,3 noch große Gesichtsfelder erreicht werden. Der Unterschied zu meinem 8“er ist natürlich das Lichtsammelvermögen, daher war Saturn schon extrem hell.

Bei 200facher Vergrößerung sprang die Cassini - Teilung aus seinen Ringen auf meine Netzhaut. Wahnsinn: Cassini - Teilung rundum. Bisher hatte ich sie in meinem vorherigen 12“ f4er nur ansatzweise gesehen...jetzt aber rundum!

Es wurde mehr vergrößert. 400fach,- eigentlich mein absolutes Maximum entlockte dem Ringplaneten sogar leichte Wolkenstrukturen auf seiner Oberfläche. Damit hätte ich nicht gerechnet. Um 400fach zu erreichen wurde folgendes Equipment eingesetzt. 8mm LVW und einfache „Billig“ – Barlow. Nun gut, wenn man schon mal bei 400fach ist und das Bild wegen der perfekten Wetterumstände mitspielt,- warum dann noch 530fach? Ein 3mm Ortho wurde in den Okularauszug eingespeist. Das selbe Bild bot sich mir,- jedoch mit dem merkbaren Unterschied, wie groß eigentlich die Cassini - Teilung wirklich ist. Als ob man den kleinen Finger zwischen die beiden Ringen stecken kann ....

Nach etwa 45 minütiger Beobachtung, schwenkte ich den Dob auf Jupiter, der mittlerweile über die Bäume des Taunuses schaute und aufgrund seiner schon mit dem bloßen Auge erkennbaren Helligkeit nach Vergrößerung schrie.

Das selbe Spiel: 65 facher Vergrößerung gab mir seine Monde preis und schon einen farblichen Eindruck des Giganten. Bei 200fach wurde Jupi ein herrlich „bunter“ Planet. Seine Wolkenbänder unterschieden sich alle samt durch leichte Abstufungen und das ganze wiederum öffnungsbedingt gleisendhell! Bei 320fach gabs aber auch nicht unbedingt mehr sehen, außer dass der Planet fast das gesamte Okular ausfüllte. Das schlechter werdende Seeing gab nun einfach nicht mehr her.

Ich bin mir sicher, dass der Dob auf jeden Fall im ausgekühlten und justierten Zustand mindestens 300fach hergibt ... Seeing unabhängig! Da mein Dob noch nicht über „Ventilatorsysteme“ ausgestattet ist, bleibt mir nichts anderes übrig, als konventionell zu warten bis der Spiegel runtergekühlt ist. Meine Erfahrungen haben gezeigt, dass der Dob ca. 45min – bis 60min braucht, um optimalen Leistungen zu vollziehen. Soweit ich aber weiß, werden die neuen 12“er mit Lüfter geliefert. Ich werde mir diesbezüglich noch was einfallen lassen, da mir „Wartezeiten“ bis zu einer

1 Stunde als zu lange erscheinen. Lange ist natürlich relativ: Wenn ein 12“ Spiegel in dieser Zeit runterkühlt, dann ist das schon sehr beachtlich – dank nur 2,5 cm dickem Spiegel, aber trotzdem muss weitsichtig gedacht werden und nach Abschätzen des Himmel der Dob schon vorsorglich nach Dämmerung in den Garten gefrachtet werden ... aber wer kennt das nicht!?!

Deep Sky:

Fast alle Beobachtungen wurden 20km nord-westlich von Frankfurt am Main getätigt.

Leider nur 4,9 –5,2mag

Da ich primär ein Deep Sky Beobachter bin, liegt dieser Bereich der Astronomie bezogen auf den Dob mir am meisten am Herzen. Hier schildere ich einige Erfahrungen in diesem Bereich:

- Eskimonebel: bei 250 fach, klares Gesicht des Eskimos zu erkennen

- M13 völlig augelöst,- spinnenartige struktur klar erkennbar!

- M57 Ringnebel gab sein inneres nicht preis, dafür aber einen leichten „Grauton“

- NGC 7331, im 8“er meines Nachbarn so gut wie nichts zu erkennen,- vielleicht nur ein Nebenfleckchen, aber im 12“er wunderbare längliche Galaxie mit unterschiedlichen Strukturen.

- Hantelnebel: Wunderbar, noch besser mit OIII Filter

- Plejaden: Leichter Blauschimmer um das Siebengestirn

- M1: Deutlicher Nebelfleck, jedoch keine/kaum Strukturen

- Andromeda Galaxie: Wahnsinnig hell, ein toller Anblick

NGC 7331, „Blue Snowball, mein Lieblingsobjekt: Man hat es mir in einem Forum nicht geglaubt, aber auch nach mehrmaliger Beobachtung behaupte ich, den PN in leicht bläulichem Struktur beobachtet zu haben

Der Spiegel macht einen guten Eindruck ... ich habe keine Messzahlen etc., aber bei 60% Mond, löste er gestern M13 bis in den Kern auf. Das könnte man natürlich auch nur an der Öffnung liegen würden berechtigungsweise Skeptiker sagen, jedoch trennte ich heute Epsilon Lyrae ohne Probleme ... da paßte noch einiges dazwischen ;-) ... ein guter Proof für ein gutes Justieren!

Was möchte ich mit dem Aufzählen von diesen Objekten sagen? Nicht, dass der 12“ Dob mehr zeigt als jeder 8“er,- das wissen wir schließlich alle,- nein,- aber das er den Objekten mehr Details entlocken konnte, als mein alter 12“ f4. Daher gehe ich von einem sehr hochwertigen Produkt aus.

Ich habe sehr viel Freude mit diesem in Deutschland einzigartigen Dosbon. Das Preis/Leistungsverhältnis ist absolut spitze. Man merkt das man ein handgefertigtes Produkt bekommen hat,- soviel Liebe zum Detail habe ich nur bei Eigenbaudobsons auf diversen Teleskoptreffen gesehen, daher macht es viel Freude, dass diese Dobsons in dieser Hinsicht viel den gewöhnlichen Dobsons viel Konkurrenz machen können: Man bekommt einfach keine Stangenware, sondern ein individuelles Teleskop. Für Skeptiker habe ich eigentlich naturgemäß viel übrig. Doch die muss ich in diesem Fall enttäuschen: Ich konnte einfach keine Mängel feststellen!


Philip Noack


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