Der Photon 12", von Peter Fischlewitz, Schweiz

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Es ist ein ungschriebenes Gesetz, dass nach dem Neuerwerb eines Teleskopes, das Wetter erst mal schlecht ist. Klart es dann endlich auf, wird das Seeing jeden Versuch, die neue Optik zu beurteilen, zum Scheitern verurteilen. Auch ich musste mich dieser Gesetzmässigkeit fügen.

Aber jetzt ist der Frust vergessen, und das neue Gerät hat seinen festen Platz in meinem Leben.



Erst mal zur Mechanik:

Das 12“ Teleskop ist sauber gebaut. Es hinterlässt einen soliden Eindruck einschliesslich der Rockerbox. Nichts scheint dem Zufall überlassen. Die Deklination läuft PERFEKT und hält mühelos sowohl einen 750g Klotz im OAZ. Das Ausbalancieren wäre zwar mit der gut durchdachten und sauber realisierten Höhenradverstellung kein Problem, ist aber bei einer vernünftigen „Mittelstellung“ völlig überflüssig. Das Teleskop neigt sich nicht der brachialen Gewalt von Televue-Gewichtssteinen. Trotzdem ist die Platzierung in Höhe sauber und präzise ohne Anfahrruckeln oder Rückfedern. In Azimut kann der Drehwiderstand mit einer Handschraube variiert werden. Das Teleskop bleibt immer dort stehen wo ich‘s hinfahre. Kein Licht ohne Schatten: Das Nachschwingen des ganzen Gerätes ist zu lange. Mit einem angelegten Finger kann die Schwingbewegung allerdings einfach und effektiv gestoppt werden. So wie ich Christian Meier kenne arbeitet er aber schon an einer entsprechenden Verbesserung. Trotzdem, ich möchte die Montierung als problemlos bezeichnen.

Der Crayford-Okularauszug ist sauber einstellbar, und trägt alle ihm aufgetragenen Arbeiten mit stoischer Ruhe. Auch schwere Okularen sind mit ihm sauber und direkt zu platzieren. Ich musste die Haltewangen mit den Walzenlagern etwas ausrichten, die standen nicht präzise senkrecht zum Auszugsrohr. Dies war keine grosse Angelegenheit und verkürzte mir die Wartezeit auf eine schöne Beobachtungsnacht. Die Hauptspiegelzelle ist schön und solide gearbeitet. Sie stützt den 25mm dünnen Spiegel auf 18 Punkten. Der 12 Volt Lüfter ist ein Kapitel für sich. Wenn der mal lüftet geht die Post ab. Angenehmer Nebeneffekt: In Betriebstellung hält dieses Teil garantiert alle neugierigen Wildschweine, Rehe und sträunenden Hunde in Schach. Die Fangspiegelspinne hinterlässt einen grundsoliden Eindruck. Ebenso die Fangspiegelhalterung. Für meine Zwecke bevorzuge ich ein etwas grösseres vignettierungsfreies Bild, und nimm dafür etwas mehr Obstruktion in Kauf. In Zahlen heisst das, dass mein Gerät anstelle der originalen 18% Obstruktion deren 21% hat. Dafür ist das vignettierungsfreie Bild jetzt 15mm im Durchmesser. Christian Meier von AOM hatte für meine Sonderwünsche ein offenes Ohr. Diese Customisierung war völlig problemlos und kostenneutral. Danke Christian Meier!

Soviel also zur Hardware.

Was zeigt nun dieses Gerät im harten astronomischen Einsatz?

Die geschilderten Tests wurden nicht alle in derselben Nacht durchgeführt. Die aufgeführten Ergebnisse zeigen aber, was das Gerät in einer halbwegs anständigen Nacht mindestens drauf hat:



Doppelsterne:

Gamma Leonis: Langweilig weit auseinander. Das ist eindeutig was für kleinere Geräte.

Eta Orionis: Dist. ca. 1,7“ mag 3.8/ 4.8 mit 215 facher Vergrösserung schön getrennt. Allerdings muss das Gerät schon sauber ausgekühlt und die Luft ruhig sein.

Iota Leonis: (mein Favorit !) Dist. 1,7“ mag 4.0 /6.8. der ist alleine durch den Helligkeitsunterschied schon langsam eine Herausforderung. Mein Takahashi LE 7,5 mm knackt diesen DS aber mit Leichtigkeit – nicht schlecht!



Kugelsternhaufen:

M3 bis ins Zentrum getrennt, am schönsten mit etwa 150 facher Vergrösserung, da blendet der Diamanthaufen.



Galaxien:

M81 und M82 mit einem 22mm Nagler im gleichen Bild. Hell und gross sichtbar mit Strukturen. M108 in UMa: Zeigt schon Struktur und ist herrlich hell.

M51: Whirlpool-Galaxie: Die lohnt schon einen ganzen Astroausflug mit dem „Photon“. Mit welchem Okular sehe ich die meistens Details? Dieses Spiel beschäftigte mich mindestens eine halbe Stunde lang - herrlich.



Diffuse Nebel:

Orionnebel: Der wird so langsam grünlich – ehrlich! Viele Strukturen, die Nebengebilde des Nebels treten klar hervor – natürlich ohne Filter.

NGC2024 neben Zeta Orionis: auch ohne Filter eindeutig zu sehen. Der Schwarze Pfad durch den Nebel sieht man klar und deutlich.

Planeten:

An Saturn ist Cassiniteilung ist natürlich rundum zu sehen. Wolkenstrukturen auf der Planetenscheibe ebenfalls.

Jupiter: Der Grosse Rote Fleck ist sauber umrissen zu sehen, Im weiteren können in den braunfarbenen Wolkenbänder bei 330 facher Vergrösserung Strukturen wahrgenommen werden. Die Dunkeladaption ist nach solchen Beobachtungen allerdings für eine halbe Stunde im Eimer.



Fazit und allgemeine Bemerkungen:



Pros:

Christian Meier verspricht nicht zu viel, wenn er behauptet, dass er für Kundenwünsche sehr offen ist. Seine Kompetenz, Hilfsbereitschaft und Kulanz sind aussergewöhnlich hoch. Das Gerät ist durchdacht und hat viele feine Extras, die ich nicht alle erwähnen kann. Besonders praktisch ist der Okularhalter für fünf Okulare 2x2“ 3x1,25“. Nicht an irgend einem Platz wo alle drüberstolpern sondern gut plaziert. Die Tangentialverstellung der Höhenräder zum Ausbalancieren ist so leicht bedienbar, dass der Beobachtungsspass beim Austarieren nicht unterbrochen werden muss. Allerdings ist das Gerät ausserordentlich unempfindlich auf ungenaue Gewichtverteilung. Die Nivellierfüsse der Rockerbasis sind ein weiteres feines Feature.



Cons:

Das ganze ist recht sperrig. Mein Corolla Kombi füllt sich so, dass ein weiterer Passagier nur noch mit Mühe Platz findet.

Die Nachschwingzeit des Teleskopes ist eindeutig zu lang, das wird aber noch behoben – sobald ich weiss wie.





Der 12“Dobson von AOM ist ein herrliches Teleskop. Er ist mir nach einer guten Beobachtungsnacht bereits sehr ans Herz gewachsen.



26. März 2003

Peter Fischlewitz


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